Kategorien
- Ausstellungsdoku
- Dokumentation Performance
- Film und Video
- Künstler*innengespräch
- Neues
- Programm
- Veranstaltungen
Blick-Wechsel
511 views
0 favorites
Schubert, Veronika
2010 feiert die Fernsehseire Tatort ihren 40. Geburtstag: Keine andere Produktion hat ein Genre so geprägt und ist über einen so langen Zeitraum Inbegriff deutscher Populärkultur gewesen. Veronika Schuberts Found-Footage-Animation Tintenkiller schöpft aus diesem reichen Reservoir. Die Künstlerin interessiert sich allerdings nicht speziell für das Genre oder das Medium, sondern mehr dafür, was das Genre und das Medium zur zeitgenössischen Bild- und Sprachkultur beitragen.
Tintenkiller ist eine Montage von visuellen und sprachlichen Floskeln und Phrasen, die ganz beiläufig daherkommen. Dabei werden einerseits das Genre konstituierende Gesten aufgesucht: der Fund einer Leiche, das Telefongespräch, der leugnende Verdächtige, die geständige Mörderin, die Beteuerung, es sei alles reine Routine, die Beteuerung, es sei keine Absicht gewesen etc.; andererseits ermöglicht die Komposition der Bild- und Sprachfetzen auch ungewöhnliche, überraschende, ja humorvolle Einsichten und Pointen: Hatte die Tote ihre Tage? Das wird Frau Dr. Eckermann sicher sehr interessieren! Ein bisschen Koks ist nicht die Welt... Nein danke, ich bin im Dienst.
Tintenkiller abstrahiert die Collage aus den Ritualen und den Banalitäten, die jeden Fernsehkrimi als solchen determinieren und erstellt im direkten Sinn des Wortes einen Blueprint des Genres: statt Blut fließt Tinte durch die Bilder. In langwieriger Detailarbeit hat Schubert 3000 Einzelbilder mit Tinte und Löschstift bearbeitet. Diese Technik beruht auf der Abfolge von Sättigung und Leere, von sichtbarer und unsichtbar gemachter blauer Farbe, die dan als Weiß erscheint. Spannung und Intensität werden so unmittelbar sichtbar in dunkelblauen Kältebildern, die irgendwann einmal das Blut ihrer Zuseher zu Eis erstarren ließen.
(Sylvia Szely, Quelle: http://www.sixpackfilm.com/de/catalogue/show/1805)
-/-
In 2010, the television show Tatort celebrates its fortieth birthday: no other production has influenced a genre so greatly or been the epitome of popular German culture for such a long time. Veronika Schubert’s found footage animation Tintenkiller draws from this rich reservoir. The artist’s special interest, however, is not in the genre or the medium, but instead, in what the genre and the medium contribute to contemporary visual and linguistic culture.
Tintenkiller is a montage of entirely incidentally emerging visual and linguistic clichés and phrases. The genre of constitutive gestures is called on for this: the discovery of a corpse, a telephone conversation, a lying suspect, a confessing murderess, an assurance that it is all routine, is not intentional, etc.; on the other hand, the composition allows the shreds of language and images to also come to unusual, surprising, even humorous insights and points: Was the dead woman having her period? That would most definitely interest Dr. Eckermann! A bit of coke isn’t a big thing… No thanks, I’m on duty.
Tintenkiller abstracts a collage from rituals and banalities that define every television crime show, as such, and compiles, quasi literally, a type of blueprint of the genre: ink rather than blood flows through the images. In tedious, finely detailed work, Schubert processed 3,000 individual images with ink and eraser pen. This technique rests on the progression of saturation and emptiness, of blue color that is made visible and invisible, which then appears as white. Tension and intensity thus become immediately visible in icy dark blue images that at some point freeze the blood of their viewers to ice.
(Sylvia Szely, Translation: Lisa Rosenblatt)