Retracer

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(...) Wenn die basale Form der Selbstreflexion im Video mit der Rückkopplung als einer zirkulären Struktur angezeigt ist, dann wird diese Funktion in der Form des Medienbildes exemplarisch bei Michael Langoth exponiert, wenn er mit Retracer (Austria, 1991, 3:45, color, Ton) die Form des Fernsehers als redundante "Bildinformation" einsetzt und in der seriell gesteigerten Komposition von Bild im Bild im Bild usw. zirkulär erscheinen läßt. Bildfüllend zu sehen ist ein Raum, den ein Mann betritt, der sich an den Tisch setzt, eine Flasche Bier öffnet, sich zum Fernseher wendet und diesen einschaltet. Auf diesem Bildschirm ist der gleiche Bildinhalt zu sehen, wobei die Geschwindigkeit der Rückkopplungsschleife bis zur Auflösung erkennbarer Bildinhalte ansteigt und im »weißen Rauschen« kulminiert. Der hier vorgeführte Umschlag von Selbstreflexion in Selbstreferentialität versteht sich als ein ironischer Kommentar auf das seine Programmstrukturen vermarktende Fernsehen (vor allem in den Serien, auf deren redundanten flow gleichförmiger Information auch Dara Birnbaums Videoclips entlarvend Bezug nehmen). Wenn bei Langoth die Rückkopplung in einen Flicker-Effekt einmündet, so hat dies eine deutliche Parallele im Konzept "Kunst", denn die Präsenz des Vorgangs (das Herstellen des Seriellen durch Einschalten des Fernsehers) korreliert mit dem Ort der Ausführung (hier die räumliche Beziehung von Zuschauer und Fernsehapparat), und diese Ausführung einer konzeptuellen Idee fällt mit dem "Produkt" (hier Fernsehen) zusammen. Anders als bei der Korrelation von industrieller Fertigung und Serialiät mit dem Ort von Präsentation und Distribution in der Richtung der konzeptuellen Kunst findet bei Langoth das rekursive Vorführen dieser Vermarktungstrategie im Spannungsfeld zweier Medien, von Video und Fernsehen, statt. Beabsichtigt ist eine Dekonstruktion dieser Strategie durch die ldentifizierung des Fernsehens als eines bedeutungslosen Apparats. Die Fernsehkritik manifestiert sich darin, daß anstelle der Außenwelt lediglich die Innenwelt (der Lebensraum des Fernsehzuschauers) wie bei einer Spiegelung wiederholt wird. Auto- bzw. Selbstreferentialität meint, daß die Struktur der Wiederholung auf ein Schema zugreift, das endlos und unverändert generiert wird. Durch den Mechanismus des Einschaltens des Fernsehgerätes wird die Medienebene als solche kenntlich gemacht. Sie dient im weiteren Verlauf dazu, die Implosion von Medium und Botschaft am Ort des Betrachters aufzuführen, so daß die unmittelbare Präsenz der elektronischen Ausstrahlung am Ort des Betrachters den "Inhalt" des Mediums vollständig "überstrahlt". Wie bei der technischen Implosion von Fernsehgeräten tritt bei dieser rekursiven Darstellung ein Nullpunkt der
Medienkommunikation ein. Diese Darlegung unterstreicht, wie das Fernsehen seine Programme (und d.h.
repetitive Muster) durch Ausstrahlung desselben Schemas und die Wiederholung derselben Bausteine
"vermarktet".
Zitiert aus Yvonne Spielmann – VIDEO, das reflexive Medium (Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft 1739), Frankfurt am Main 2005, S. 275–280

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(...) If the basic form of self-reflection in video is indicated by feedback as a circular structure, then this function is exemplified in the form of the media image by Michael Langoth, when, in Retracer (Austria, 1991, 3:45, color, sound), he uses the form of the television as redundant "image information" and makes it appear circular in the serially intensified composition of image within image within image, etc. The image fills the screen, and a man enters a room, sits down at a table, opens a bottle of beer, turns to the television, and switches it on. The same image content is visible on this screen, with the speed of the feedback loop increasing until recognizable image content is resolved and culminating in "white noise." The shift from self-reflection to self-referentiality demonstrated here is an ironic commentary on television, which markets its program structures (especially in series, whose redundant flow of uniform information Dara Birnbaum's video clips also revealingly reference). When, in Langoth's work, the feedback loop culminates in a flickering effect, this has a clear parallel in the concept of "art," because the presence of the process (the creation of seriality by switching on the television) correlates with the location of its execution (here, the spatial relationship between viewer and television set), and this execution of a conceptual idea coincides with the "product" (here, television). Unlike the correlation between industrial production and seriality with the location of presentation and distribution found in conceptual art, Langoth's recursive demonstration of this marketing strategy takes place within the tension between two media: video and television. The intention is to deconstruct this strategy by identifying television as a meaningless apparatus. Television critique manifests itself in the fact that, instead of the external world, only the internal world (the living space of the television viewer) is repeated, as if in a mirror image. Auto-referentiality means that the structure of repetition accesses a schema that is endlessly and unchanged generated. The mechanism of switching on the television set makes the media level recognizable as such. Subsequently, it serves to enact the implosion of medium and message at the viewer's location, so that the immediate presence of the electronic broadcast completely overshadows the "content" of the medium. As with the technical implosion of television sets, this recursive representation establishes a zero point of media communication. This explanation underscores how television "markets" its programs (and thus repetitive patterns) by broadcasting the same scheme and repeating the same building blocks.

Quoted from Yvonne Spielmann – VIDEO, das reflexive Medium (Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft 1739), Frankfurt am Main 2005, pp. 275–280)

TAGS:
KATEGORIEN: FILM UND VIDEO
Copyright:

Michael Langoth


Produktionsland

AT : Österreich

Produktionsjahr

1991

Ton

mit Ton

Format

16:9

Farbe

Farbe