Medien Querspur

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Internationales Videofestival / Linz

Ende der 1980er Jahre war, polemisch gesagt, ein brauner Cordmantel so ziemlich das Bunteste im Alltag der grauen Stahlstadt Linz. Zu den Verkörperungen der trotzdem oder gerade deswegen ausbrechenden Aufbruchsstimmung zählte das Internationale Videofestival Querspur 1990 im OK. Gerald Harringer, Wolfgang Preisinger und Gitti Vasicek organisierten den dreitägigen Bilderrausch, dem monatelange Recherchen und Besuche auf Videokunstfestivals in ganz Europa vorangingen - Kunst ließ sich zu diesem Zeitpunkt nicht googlen. Damals bereits etablierte KünstlerInnen wie Valie Export waren ebenso zu Gast bzw. mit Arbeiten vertreten wie zwischenzeitlich prominent gewordene Kunstschaffende wie Jozef Robakowski, Jan Sverak und Marcel Odenbach und österreichische Film- und Videokünstler wie Dietmar Brehm, Stadtwerkstatt TV, Ruth Schnell, Gustav Deutsch und viele andere. Erstmals präsentierte ein westliches Festival ausführlich bedeutende Vertreter der osteuropäischen Videokunst. An drei Tagen zeigte "Querspur" über 100 Beiträge von 80 Künstlern aus 13 Ländern, von Kanada, USA über Spanien bis Polen und Russland. Die Arbeiten liefen auf Fernsehmonitoren in intimen Wohnzimmerlandschaften, die seriell in einem grossen Saal angeordnet waren. Das im heute noch bestehenden OK stattgefunden habende Festival wurde von Ministerin Hilde Hawlicek im Zuge eines Festaktes eröffnet, mit dem gleichzeitig das Moviemento Kino seine Pforten öffnete. Den außerordentlichen Reiz und Stellenwert von Video macht ein Zitat aus dem Querspur-Katalog 1990 deutlich: ''Videokameras bieten durch ihre einfache Handhabung die Möglichkeit, ganz alleine in sehr intimen Rahmen aufzunehmen. Gleichzeitig kann die Intimität dieser Filme über TV-Sender auch einem Massenpublikum zugänglich werden. Privates in den öffentlichen Raum zu stellen, unzensurierte Bilder über neue Kanäle public zu machen - das war und ist etwas sehr Faszinierendes am Medium Video.'' Dem entsprechend war der Untertitel von Querspur ''Zwischen Intimität und radikaler Entblößung''. Die erhoffte Demokratisierung des Fernsehens hat stattgefunden, aber ganz anders als erwartet: Sie hört auf den Namen YouTube. YouTube wie Facebook und Twitter weisen dem Untertitel von 1990 eine fast prophetische Dimension zu. Die narzisstische Selbstinszenierung ist nun gang und gebe.

(Quelle: http://www.fabrikanten.at/index.php?depth=2&link=2&pro_id=51)

Kategorien: Film und Video

Produktionsland

AT : Österreich

Produktionsjahr

1990

Ton

deutscher Ton

Format

4:3

Farbe

Farbe
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