Über den Film

Eine orangerote Farbfläche mit einer nicht sofort zu dechiffrierenden Grafik, dazu elektronische Soundflächen auf der Tonspur: falcon beginnt mit einem starren, visuell fesselnden Bild. Bald verändert sich dieses: die Farbe wechselt zu Rosa, über Weiss, Gelbgrün zu Orange und Rot, parallel zum vibrierenden Soundtrack. Verschiedene Bildteile werden von diesen Farbmodulationen erfasst, wodurch sie in unterschiedlicher Intensität hervortreten. So wird erst nach und nach deutlich, dass das seltsame Zeichen das abstrahierte Bild einer Flugzeug-Kanzel darstellt: denn falcon bezeichnet im Englischen nicht nur einen Raubvogel, sondern auch die F-16, einen Kampfbomber.

Karø Goldts Vorlage dabei ist das reale Bild, eine Fotografie, die am Computer bearbeitet wird. Durch Reduktion und Abstraktion wird der zeichenhaften Charakter des Sujets verstärkt, gleichzeitig erinnert das Ergebnis an Röntgenbilder oder Thermografie und verweist so auf die bestehende Verwandtschaft zu anderen bildproduzierenden
Apparaten. Die Verwendung der Farbe, die teils die Bildfläche gleichmässig überzieht, teils zu den Rändern hin ausfranst, weckt Assoziationen mit einem anderen Medium: der Malerei, insbesonders mit dem „Colour Field Painting“ und seinen Vertretern Mark Rothko und Barnett Newman. Auch in
falcon wird Abstraktion nicht als Geometrisierung begriffen, sondern als Hinwendung zum Farbraum und dessen transzendentaler Qualität. Diese Möglichkeit der Erfahrung wird durch den Sound verstärkt, der – wie in den früheren Videos – von rashim in permanentem Austausch mit der Künstlerin entwickelt worden ist.
Die Harmonie zwischen Bild- und Tonebene, sowie die bewusste Einbindung gestalterischer Referenzen an andere Bildmedien machen Karø Goldts Arbeit zu einer faszinierenden Position in der gegenwärtigen digitalen Videoproduk-tion. (Claudia Slanar)

(Quelle: http://www.sixpackfilm.com/de/catalogue/show/1130)

Künstler/in

Karo Goldt | Germany

Biografie

*1967 in Guenzburg, Deutschland. Lebt und arbeitet in Wien und Berlin.